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Sapiologie

By Juli 24th, 2019 3 Comments

Sapiologie ist die Wissenschaft der Intelligenz, die Lehre von der Vernunft. Was kann wichtiger sein, als ein möglichst exaktes Bild der Realität zu gewinnen und intelligente Entscheidungen zu treffen? Was ist das Leben Anderes, als das Resultat getroffener Entscheidungen? LIMBICLOGIC® ist dabei ein wichtiger Baustein zum Verständnis von Sapiologie. Es erklärt den unbewussten limbischen Einfluss auf Wahrnehmung und Meinungsbildung.

1.  Was ist Sapiologie?   Zur Themenübersicht

Das Wort Sapiologie kommt vom lateinischen Wort „Sapio“ was so viel wie verständig, klug oder weise bedeutet. Sie kennen es als Teil der Bezeichnung unser Spezies “Homo Sapiens”. Es ist die Lehre von der Vernunft, es ist nicht weniger als die Wissenschaft der Intelligenz. Leider wurde in diesem Bereich bislang nicht viel publiziert. Dies ist erstaunlich, da wir es für die wichtigste Wissenschaft überhaupt halten. Was kann wichtiger sein als, ein möglichst präzises Bild der Realität zu gewinnen und Zusammenhänge zu verstehen?

Derart zu verstehen, dass man Entwicklungen voraussagen kann. Dass man die Wirkung von beabsichtigten Handlungen möglichst genau im Vorfeld absehen kann und seine Einflussnahme betreffend eines gewünschten Ziels, vorausschauend steuern kann. Es ist nicht weniger als die Grundlage eines erfolgreichen und zielführenden Handelns. Dies gilt für den privaten Bereich genauso wie für den beruflichen, in der Forschung, in Unternehmen oder bei der politischen Entscheidungsfindung. Wir von LIMBICLOGIC® möchten versuchen, sich dem Thema von logikbasiertem Erkenntnisgewinn und intelligenten Entscheidungen zu nähern. Was ist der Unterschied zwischen LIMBICLOGIC® und Sapiologie? LIMBICLOGIC® ist ein von Alex Anderson entwickeltes Konzept des Denkens und Fühlens, welches auf einem mehrteiligen, wissenschaftlich fundiertem Modell des menschlichen Gehirns aufbaut. LIMBICLOGIC® hilft zu Einsichten zu gelangen und erklärt, wie man das Beste aus seinem Verstand macht. Dies sowohl im Hinblick auf Erfolg und Motivation als auch auf Zufriedenheit und Glück. Sapiologie hingegen ist eine Wissenschaft. Niemand besitzt eine Wissenschaft. Man beteiligt sich an einer Wissenschaft und liefert erklärende Theorien und Modelle um Beobachtungen zu erklären. Dabei ersetzen bessere Theorien regelmäßig schlechtere, weniger zutreffende Theorien. Durch diesen kontinuierlichen Erkenntnisgewinn haben wir Autos, Computer, Smartphones oder sind in der Lage zum Mond zu fliegen.

2.  Was ist Vernunft?   Zur Themenübersicht

Die Lehre von der Vernunft klingt gut, aber ist Vernunft nicht zu schwer fassbar und auch zu subjektiv, als dass man diesbezüglich überhaupt eine Wissenschaft daraus machen könnte? Was ist denn überhaupt Vernunft? Wir brauchen also eine Definition. Ist es möglich Vernunft zu definieren? Immerhin hält doch zum Beispiel jeder Politiker, sich und seine Ideen für vernünftig. Aber die resultierenden Vorschläge mit Problemen und Herausforderungen unserer Zeit umzugehen, scheinen so vielfältig zu sein wie die Anzahl der Politiker selbst. Jeder Einzelne hält jedoch dabei seine eigenen Ansichten für vernünftig.

Wer würde schon über seine eigenen Ansichten oder Handlungsvorschläge sagen sie wären unvernünftig? Hier die deutsche Wikipedia Definition des Begriffes Vernunft:

“Vernunft umfasst das Vermögen menschlichen Denkens, aus den im Verstand durch Beobachtung und Erfahrung erfassten Sachverhalten allgemein gültige Zusammenhänge der Wirklichkeit erschließen zu können durch Schlussfolgerungen, deren Bedeutung zu erkennen, Regeln und Prinzipien aufzustellen und danach zu handeln. Soweit sich die Vernunft auf Prinzipien des Erkennens und der Wissenschaften richtet, spricht man von theoretischer Vernunft. Ist die Vernunft auf das Handeln oder die Lebenshaltung ausgerichtet, folgt sie den Prinzipien praktischer Vernunft, die sich in moralischen Fragen an Werten und zur Steigerung der Effizienz am ökonomischen Prinzip orientieren kann.”

Es ist leicht, dieser Definition zuzustimmen, aber wie kann man überhaupt Vernunft erkennen? Die Vernunft scheint im Auge des Betrachters zu liegen. Wenn es trotz allgemein anerkannter Faktenlage trotzdem so viele unterschiedliche Ansichten und Meinungen gibt, so lässt dies nur eine logische Schlussfolgerung zu. Es müssen bei der Meinungsbildung Faktoren beteiligt sein, die nicht im Äußeren, sondern im Inneren (beim Meinungshaber selbst) einwirken und dessen kognitive Entscheidungsprozesse beeinflussen. Zu diesen Vernunft beeinflussenden Faktoren kommen wir später. Wir möchten aber hier schon einmal darauf hinweisen, dass Vernunft und das Gelangen zu Meinungen weit weniger willkürlich ist, als viele Menschen glauben. Glücklicherweise ist es durch die Meinungsfreiheit in vielen Ländern erlaubt, weitgehend jede beliebige Meinung anzunehmen. Aber dennoch sollte diese begründbar sein. Wir werden später lernen, dass Unvernunft unter gewissen Umständen tatsächlich regelrecht nachweisbar ist. Mit der Veröffentlichung dieses Textes dürfte es auch zunehmend schwerer werden, jede beliebige Position bezüglich eines Sachverhaltes einzunehmen. Dies gilt vor allem dann, wenn bezüglich der Kenntnis aller beteiligten Fakten und Ihrer Bedeutung für ein zu erzielendes Ergebnis weitgehende Einigkeit herrscht.

3.  Ein Beispiel für Vernunft   Zur Themenübersicht

Um sich weiter dem Begriff von Vernunft und Intelligenz zu nähern, ist es hilfreich sich mit Bereichen zu beschäftigen, wo Vernunft offensichtlich in hohem Maße zu finden ist. Dies trifft auf Wissenschaften zu und insbesondere auf Naturwissenschaften. In der Medizin, Astronomie oder Physik sehen wir einen kontinuierlichen Erkenntnisgewinn. International arbeiten Wissenschaftler unterschiedlichster Herkunft effektiv zusammen und freuen sich über neue, gemeinsam erreichte Einsichten. Die internationale Arbeit am Large Hadron Collider in Zern ist dafür ein gutes Beispiel. Dies alles geschieht mit erstaunlicher Einigkeit und ohne viel Disput.

Warum finden wir in Wissenschaften effektive Zusammenarbeit, Konstruktivität und Einigkeit während wir im Alltag und in der Politik fünfzig Menschen genauso viele verschiedene Meinungen haben und diese nicht nur aggressiv verbal, sondern oftmals auch mit körperlicher Gewalt vertreten, wie gelegentlich in Parlamenten zu sehen ist? Sind Nichtwissenschaftler nicht zur Vernunft befähigt? Wir denken dieser Unterschied hat eine Reihe von Gründen. Eine der wesentlichen Voraussetzungen von Vernunft ist Logik und die Fähigkeit diese in verschiedenen kognitiven Prozessen ausreichend anzuwenden. Wir nennen das Ausmaß dieser Fähigkeit Intelligenz. Nun nehmen Wissenschaftler bzgl. ihrer Intelligenz häufig eine Sonderstellung ein, aber ist dies der alleinige, ausschlaggebende Faktor für die oben beschriebenen Unterschiede? Wir denken nicht, dass dies der alleinige Faktor ist. Wissenschaften stellen bezüglich Meinungsbildung und Erkenntnisgewinn eine Ausnahme dar. Wissenschaften sind grundsätzlich wahrheitsvalidiert. Jeder Wissenschaftler ist letztlich relativ selbstlos an der Wahrheit interessiert. In manchen Wissenschaften wie der Medizin oder der Pharmazie ist dieser Wahrheitsgehalt auch sehr leicht zu überprüfen. Entweder eine Therapie, ein Wirkstoff schlägt an, oder eben nicht. Natürlich kommt es auch vor, dass Wissenschaftler im Stolz über ihre Theorie mit dieser identifiziert sind oder über verschiedene Theorien streiten. Wir möchten an die Streitschrift von 1931 erinnern, wo sich 100 Autoren gegen Einsteins Relativitätstheorie verbündeten. Einstein hat zu diesem Angriff auf seine Theorie lapidar gesagt: „100 Autoren? Wenn es denn wahr wäre, so hätte ein einziger Autor gereicht“. Das Zitat von Einstein trifft es ziemlich gut. Solche Meinungsverschiedenheiten können Wissenschaften letztlich nicht aufhalten, da früher oder später Modelle und Theorien, welche Sachverhalte besser erklären können, die alten Denkmodelle unweigerlich ersetzen werden.

So haben wir also mit Intelligenz und selbstloser Wahrheitsliebe bei Wissenschaftlern schon zwei Anhaltspunkte gefunden, die Vernunft offenbar fördern. Aber Wissenschaften können uns noch weitere Hinweise liefern. Bei allen Wissenschaften hat man es mit sehr abstrakten Inhalten zu tun, bei denen die meisten Menschen es schwer haben, überhaupt einen Zugang dazu zu finden. Dies gilt heute noch viel mehr als zum Beginn der Wissenschaften. Higgs-Bosonen oder Gravitationswellen haben wenig mit Menschen oder deren täglichen Lebensumständen zu tun. Tatsächlich sind derartige fundamentale, wissenschaftliche Entdeckungen für die meisten Menschen irrelevant und sie nehmen diese kaum zur Kenntnis. Warum ist das wichtig? Dies ist entscheidend, weil wir damit zwei mächtige Einflussgrößen auf den Erkenntnisgewinn und die Meinungsbildung ausschließen können. Dies ist einmal die persönliche individuelle Interessenlage von Menschen und der limbische Einfluss. Die meisten Physiker dürften an sich kein starkes Interesse daran haben, ob es ein Higgs-Boson gibt oder eben nicht. Es verändert, wenn sie nicht gerade Peter Higgs heißen, ihr Leben auch nur wenig. Aber wenn es darum, geht wie viel Geld eine Autorität (Staat) ihnen abnimmt (Steuern), was er dann damit macht und wie er dies begründet, hat für Menschen natürlich eine ganz andere Bedeutung.

4.  Der limbische Einfluss   Zur Themenübersicht

Wenn Sie das Konzept von LIMBICLOGIC® nicht kennen, so wird Ihnen das Wort limbisch vielleicht nicht bekannt sein. Limbisch bezieht sich auf einen evolutionär ca. 160 Mio., Jahre alten Gehirnteil des Menschen, der für Emotionen, Sexualität und Sozialverhalten verantwortlich ist. Vorläufer dieses Gehirnteiles sind sogar noch deutlich älter. Er findet sich in allen Säugetieren. In Gruppen lebende Säugetiere wie andere Primaten oder Hunde weisen besonders starke Ähnlichkeiten mit dem limbischen System des Menschen auf. Das limbische System stellt uns von Geburt an ein umfangreiches und ausgeklügeltes Setup von Instinkten, Verhalten und situativer Emotionen zur Verfügung. Diese dienen ausnahmslos der Erhaltung der Art, also dem Überleben und der Fortpflanzung. Dabei ist zu beachten, dass bei sozial lebenden Tieren hierbei auch angeborene und soziale Instinkte dazugehören, die einem Individuum die zum Überleben erforderliche Gruppenzugehörigkeit sichern.

Blausen.com staff (2014).

Diese sozialen Instinkte oder soziale Emotionen umfassen die Fähigkeit der Empfindung von Schuld, Stolz, Scham, Eifersucht, Gruppenzugehörigkeit, Hierarchien, der eigenen relativen Rangposition, aber auch Mimik, Körpersprache, Feindseligkeit und Aggression. Sie sind die Grundlage unseres Zusammenlebens, unseres Sozialverhaltens und auch der Grund, warum Menschen starke emotionale Beziehungen zu anderen sozial lebenden Arten wie Hunden aufbauen können. Jede der oben beschriebenen Empfindungen können Hundebesitzer an ihrem Schützling beobachten. Soziale Instinkte sind für in Gruppen lebende Tiere genauso wichtig wie evolutionäre Anpassungen der Körpergestalt. Die meisten sozial lebenden Tiere sind allein nicht überlebensfähig. Der Ausschluss aus einem Stamm oder einem Rudel würde den sicheren Tod des Individuums bedeuten. Soziale Instinkte sollen dies verhindern und auch ermöglichen, sich eine möglichst hohe Rangposition innerhalb der Gruppe zu erarbeiten. Es ist falsch zu glauben, dass bei Menschen diese Instinkte nicht aktiv wären. Bei Menschen sind diese Instinkte gleichermaßen ständig aktiv. Allerdings werden sie uns Menschen, nicht wie ein Gedanke oder eine bewusste Information präsentiert, sondern als unbewusstes nicht so leicht greifbares Gefühl, Neigung, Aggression oder Lust.

Überlegen Sie einmal wie unbewusst und unwillkürlich Sie reagieren, wenn Sie einen Menschen zum ersten Mal sehen. Vielleicht eine(n) potenzielle(n) Partner(in). Dies alles geschieht im Bruchteil einer Sekunde. Bewusste Gedanken, Ihre kognitive beurteilende Informationsverarbeitung Ihres Vorderhirns, sind hierbei nicht beteiligt. Die unbewusste, schnelle und starke Beeinflussung des Individuums durch das limbische System ist wichtig, damit sich das Individuum nicht einfach kognitiv dagegen entscheiden kann. Es diese also nicht ignorieren kann, als wäre ein artspezifisches, angemessenes Sozialverhalten lediglich eine Option. Diese sogenannten limbischen Einflüsse haben einen gewaltigen Einfluss auf Ihre Meinungsbildung. Haben Sie schon einmal einen engagierten Fußballfan beobachtet, wenn ein Mitglied seiner Mannschaft gefoult wird? Oder aber wenn ein Mitglied seiner Mannschaft selbst foult. Würden Sie diesem Fußballfan Neutralität attestieren? Da sich Wissenschaftler mit Dingen, Strukturen, Zusammenhängen und Gesetzmäßigkeiten befassen und eben nicht mit Menschen, bleiben sie von derartigen limbischen Einflüssen ihres uralten Gehirnteils weitgehend verschont.  Den oben erwähnten Einfluss nennt man übrigens tribal (stammesbedingt). Das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gruppe führt zu einer Identifkation mit dieser. Dieses Verhalten war früher einmal überlebensnotwendig für das Individuum. Nun erschwert es bei uns Menschen die neutrale Meinungsbildung. Das Stockholm-Syndrom und das Milgram-Experiment sind bekannte Beispiele für das Fortleben dieser Instinkte. Naturwissenschaftler hingegen haben es so gesehen also leichter neutral, unidentifiziert und einig zu bleiben.

5.  Meinungsvielfalt   Zur Themenübersicht

Wenn man über Vernunft und Meinungsbildung spricht, macht es Sinn ein paar Sätze über Meinungsvielfalt zu verlieren. Viele sehen Meinungsvielfalt als Bereicherung oder gar als Grundlage für die Meinungsbildung bzw. eines demokratischen Diskurses. Dabei wird häufig übersehen, dass unterschiedliche Ansichten häufig recht triviale Gründe haben. Oftmals stehen Menschen nicht dieselben Informationen zur Verfügung. Oder, sie verfügen nicht über die Fähigkeit oder den Willen die oftmals komplexen Zusammenhänge logisch zu verarbeiten. Die vollständige Anwendung von Vernunft verringert die Bandbreite von Meinungen. Nicht durch eine Meinungsdiktatur, sondern dadurch, dass Menschen in die Lage versetzt werden, anhand vorliegender Informationen, selbstständig zu belastbaren und gültigen Einsichten zu kommen.

Meinungsvielfalt an sich ist übrigens nicht gut. Tatsächlich entstehen Differenzen bis hin zu körperlicher Gewalt oder Kriege aufgrund von Meinungsdifferenzen. In der heutigen Zeit reichen schon Meinungsdifferenzen bezüglich des wahren Gottes für tödliche Terroranschläge aus. Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte der Gewalt auf der Basis entgegenstehender Interessen und Meinungen. Nein, Meinungsdiversität ist tatsächlich ein großes Problem, welches die Kraft hat die Welt, ein Volk, oder auch eine Familie zu spalten. Gut indes ist es, wenn man die Möglichkeit hat, völlig frei zu einer Meinung zu gelangen und man nicht wegen der Äußerung seiner Meinung negative Konsequenzen fürchten muss. Das ist leider heutzutage auch nicht selbstverständlich. Ferner ermöglicht eine Meinungsvielfalt auch die Möglichkeit, seine eigene Überzeugung zu überprüfen und durch Einnehmen von anderen Standpunkten zu tieferen Einsichten zu gelangen. Dies gilt zumindest theoretisch. Praktisch erzeugen aufgrund limbischer, genauer gesagt, tribaler Schaltkreise des Gehirns, abweichende Meinungen, oftmals Verteidigung, Widerstand, Ablehnung und Aggression. Die Fähigkeit auch beim Vorhandensein von anderen Meinungen und selbst, bei sich veränderter Faktenlage seine Meinung zu korrigieren, ist bei Menschen leider nicht sehr ausgeprägt. Über die Gründe dafür später mehr. Auch über die Meinungsbildung in Gruppen (kollektive Kognition) an anderer Stelle mehr. Ein Interessenkonflikt führt immer übrigens immer zu einer Meinungsdifferenz, aber nicht jede Meinungsdifferenz ist auch ein Interessenkonflikt.

6.  Was ist eine Meinung?   Zur Themenübersicht

Wir wollen hier mal darauf eingehen, was überhaupt eine Meinung ist. Eine kausale und logisch basierte Meinungsbildung ist die Grundlage von Vernunft und intelligentem Handeln. Bei Meinungen gibt es tatsächlich etwas mehr zu berücksichtigen, als man zunächst glaubt.

Den ersten Parameter bezeichnen wir als Position. Dies ist das, was man landläufig als Meinung bezeichnet. Es ist der Standpunkt zu einem Thema.

Den nächsten Parameter nennen wir Meinungsüberzeugung (Confidence, strong opinion). Es ist das Maß der subjektiven Überzeugung, dass die oben erwähnte eigene Position zutreffend ist und inwiefern man bereit ist, die eigene Position zu verteidigen. Dies grenzt eine Überzeugung von einem Glauben, einem Verdacht oder einer Vermutung ab.

Der dritte Parameter ist die Persönliche Meinungsrelevanz. Dieser Parameter gibt Ausdruck über das Maß, inwieweit die verschiedenen Positionen das Leben des Meinungshabers in irgendeiner Weise positiv oder negativ beeinflussen.

Als vierten Parameter ist der Meinungsdurchschnitt zu erwähnen. Er stellt die durchschnittliche Position einer Gruppe von Menschen dar. Dabei ist anzumerken, dass dieser sich nicht streng mathematisch bildet. Vielmehr werden extreme Positionen von der Gruppe weniger stark gewichtet oder sogar komplett ausgeschlossen.

Der fünfte Parameter ist die Meinungsabweichung. Damit ist das Maß des Unterschiedes zu einer anderen Meinung oder zum Meinungsdurchschnitt gemeint.

Alle Parameter spielen bei der Meinungsbildung und damit auch bei der Vernunftbildung eine Rolle. Dies gilt insbesondere für kollektive, kognitive Systeme. Eine hohe Überzeugung macht den Meinungsinhaber oft blind für Argumente. Ferner beeinflusst er damit stärker die Meinung Anderer. Umso mehr, wenn diese in geringerem Maß von ihrer Meinung überzeugt sind. Eine hohe Meinungsrelevanz sorgt für eine egoistische Verzerrung, für eine Voreingenommenheit. Typischerweise haben Menschen mit extremen Positionen, also einer hohen Meinungsabweichung auch eine hohe Meinungsüberzeugung, während Menschen mit geringer Überzeugung, sich gerne am vorhandenen Meinungsdurchschnitt orientieren. Der Meinungsdurchschnitt spielt bei demokratischen Prozessen, der Entscheidungsfindung von Gruppen und Kollektiver Kognition eine Rolle. Es ist wichtig, die obigen Mechanismen der Meinungsbildung von Menschen zu kennen. Es ist erkennbar, dass so mächtig diese auch sind, sie leider keinen echten Erkenntnisgewinn beinhalten. Vielmehr sind tribale und limbische Effekte am Werk, die vor vielen tausend Jahren einmal dafür sorgen sollten, dass das Individuum sich in eine Gruppe, in diesem Fall in eine vorherrschende Meinungslandschaft einfügt. Man muss diese Effekte kennen und berücksichtigen, um zu einem möglichst klaren Bild der Realität und intelligenten Entscheidungen zu gelangen.

7.  Grundlagen der Vernunft   Zur Themenübersicht

Die Grundlage von Vernunft ist Logik. Wenn Sie aus (B > C, A > B) schlussfolgern, dass A > C ist, so sind Sie grundsätzlich zur Vernunft begabt. Doch im Alltag oder in der Politik sind die Umstände oft etwas komplexer. Wir möchten nun zeigen, was alles an der Vernunft zerrt und diese für Menschen letztlich so schwierig macht. Für Computer ist Vernunft einfach. Sie sind so vernünftig, wie man sie programmiert. Wenn der Algorithmus der Aufgabenstellung angemessen und ausreichend komplex programmiert wurde, wird der Computer jederzeit korrekt reagieren und dies im Bruchteil einer Sekunde.

Computer wie IBM Watson sind heute schon in der Lage allgemeine Wissensfragen (Gameshow “Jeopardy”) besser zu beantworten als Menschen. Für Menschen ist Vernunft schwerer zu erreichen. Menschen werden auf dem Weg zur Vernunft von vielem abgelenkt und manipuliert. Viele psychologische Ergebnisse, kognitive Illusionen, Paradoxien und Syndrome, lassen viel mehr denn Einblick gewinnen, dass Vernunft in unseren Handlungen oftmals die Ausnahme darstellt. Ferner unterschätzen Menschen häufig das Maß an der Gesamtkomplexität, welche selbst bei einfach erscheinenden Fragestellungen auftreten kann.

Hier ein  Beispiel für Vernunft bzw. ihrer (scheinbaren) Abwesenheit. Sie fahren mit einem Auto. Es sind Autos vor Ihnen und Autos hinter Ihnen. Sie halten einen angemessenen Abstand, fahren nicht zu dicht auf aber lassen andererseits auch nicht zu, dass sich der Abstand zum Vordermann vergrößert. Schon in dieser einfachen Situation sind unbewusst mehr Vorbedingungen, kognitive Prozesse, Folgerungen und Entscheidungen beteiligt als Sie glauben. Unter anderem, dass zu dichtes Auffahren einen Auffahrunfall verursachen könnte, den Sie bezahlen müssten. Oder, dass Sie bei einem zu großen Abstand Zeit verlieren bzw. überholt werden würden. Dass überholt werden emotional eine wertmäßige Zurücksetzung darstellt. Dass eigenes Überholen ein Risiko darstellt, welches sich im Verhältnis kaum lohnt, da Sie ja nur wenige Positionen gut machen würden. Das Mitschwimmen im Verkehr darf unter Abwägung obiger Aspekte als eine vernünftige Fahrweise gedeutet werden. Doch, was ist wenn Sie einen Schwerverletzten ins Krankenhaus fahren müssen? Lohnt es sich dann vielleicht zu überholen? Oder, wenn man einen Schaden am Fahrzeug hat und befürchten muss, dass der Wagen auseinanderfällt, wenn man schneller als 30 km/h fährt. Man sieht also, dass so lange nicht die komplette Ausgangssituation, Prämissen und Motive der Handelnden bekannt sind, es schwierig ist, die Intelligenz, die Vernunft einer Handlung zu beurteilen. Wir nennen diese oftmals versteckten doch relevanten Faktoren, die sich zudem häufig gegenseitig beeinflussen, inhärente (beinhaltende, versteckte) Komplexität. Ohne vollständige Kenntnis und Berücksichtigung der versteckten Komplexität ist es weder möglich echte Vernunft zu erreichen, noch den Vernunftheitsgrad eines Verhaltens zu beurteilen.

8Vernunft schädigende Einflüsse   Zur Themenübersicht

Das menschliche Gehirn ist befähigt Vernunft zu erreichen, aber es ist leider alles Andere als optimiert dafür. Tatsächlich ist der vernunftfähige Teil des Gehirns der präfrontale Cortex, dessen Größe sich signifikant vom Gehirn anderer Primaten oder gar anderer Säugetiere unterscheidet, im Verhältnis zum gesamten Hirnvolumen mit ca. 12 % relativ klein. Wenn man sich eine typisch menschliche kognitive Leistung wie die Sprache anschaut, dann sind diese informationstechnisch auch nicht so groß, wie man vielleicht glauben mag. So beträgt beispielsweise die Informationsdichte von Sprache auch bei einem großen Wortschatz von 32.768 Wörtern (32.768 = 215 entspricht 15 Bit) und einer Sprechgeschwindigkeit von 140 Wörtern pro Minute nur 35 bit/s. Wir vermuten Sie wären etwas enttäuscht, wenn Ihnen ein Internetprovider einen Anschluss mit dieser Bandbreite anbieten würde. Immerhin wäre es doch weniger als der 4 Millionste Teil eines modernen Breitbandanschlusses mit 150 MBit/s.

Unten stehend einige Vernunft und Logik beeinträchtigtende, kognitive Illusionen und psychologische Phänomene, wie sie typisch für Menschen sind. Diese sind nicht mit Logik in Einklang zu bringen und daher geeignet, mehr über die erstaunlich irrationale Funktionsweise unseres Gehirns zu erfahren. Durch ein tieferes Verständnis dieser Vernunft schädigenden Effekte ist es jedoch möglich unter Berücksichtigung dieser, letztlich doch zur Vernunft und intelligenten Entscheidungen zu gelangen.

  1. Ursächlichkeits Vermutung / Agency Detection
  2. Bayesianische Logik
  3. Ellsberg Paradoxon  (Risiko-Verhalten)
  4. Entkoppelte Kognition  (Imaginäre Kognition)  Decoupled Cogniton
  5. Imaginäre Personen  (Wunsch-Denken)
  6. Intentionalitäten
  7. Intuitive Reasoning
  8. Kausale Determination
  9. Kognitive Illusionen
  10. Komplexitätslähmung  (Angst vor Fehlentscheidungen)
  11. Kulte  (Kontrollwunsch)
  12. Mentale Zeitreisen  (Visualisierung von Vergangenem, Zukünftigem)
  13. Milgram-Experiment  (Autoritätsunterwerfung)
  14. Minimal widersprüchliche Vorstellungen  (Religion)
  15. Vorsorglichkeitsdenken (Sicherheit) /  Precautionary reasoning
  16. Religion  (Kontrollwunsch)
  17. Spieltheorie
  18. Stockholm-Syndrom  (Gruppenidentifikation)
  19. Aberglauben  (Kontrollwunsch)
  20. Unschön-Ignoranz  (Realitätsverweigerung)
  21. Visuelle Illusionen / Optische Täuschungen

9.  Vernunft erzeugendes Denken   Zur Themenübersicht

Wie wir oben schon erfahren haben, stellt Logik einen wesentlichen Baustein von Vernunft dar. Was sind die anderen Bausteine von Vernunft? Gibt es einen Vernunft erzeugenden Denkprozess? Untenstehend ein Vorschlag von LIMBICLOGIC®. Es ist ein vereinfachtes, chronologisches Denkmodell, um zu vernünftigen Entscheidungen zu gelangen. Das unten stehende Modell berücksichtigt dabei sowohl die Ansprüche der Wikipedia Definition der theoretischen Vernunft, so wie auch die an praktischer und handlungsorientierter Vernunft.

Es berücksichtigt ebenfalls mögliche moralische (Ethik) und ökonomische (Effizienz) Implikationen. Das Modell geht noch etwas weiter. Es berücksichtigt ferner evolutionär-psychologische (limbische) Wahrnehmungsverzerrungen wie Identifikation und tribale Phänomene. Aufgrund der Neuheit dieser Erkenntnisse konnten diese bislang nicht berücksichtigt werden. Mit Faktoren sind im folgenden Modell allgemein Einflussgrößen auf ein System gemeint. Durch Veränderungen des Werts eines Faktors verändert sich das System. So ist zum Beispiel die Höhe von Steuern ein Faktor, der die Kaufkraft der Bürger, und damit dessen Konsum und damit wiederum die Wirtschaft beeinflusst. Am Anfang steht immer die unvoreingenommene, emotional freie Einschätzung der Ausgangssituation:

  1. Welche Sachverhalte und Faktoren sind insgesamt an der Ausgangssituation beteiligt?
    1. Sind Menschen oder Gruppen von Menschen an der Situation beteiligt?
    2. Bin ich mit diesen Menschen oder Menschengruppen identifiziert? Warum? Wie stark?
    3. Sehe ich eine Gruppe als fremd oder gar feindlich an?
    4. Erhöhen oder vermindern absehbare Entwicklungen meinen Status, Rang oder Ansehen bzw. den meiner Gruppe?
    5. Wo besteht bezüglich Obigem die Gefahr von Fehleinschätzungen?
  2. Welche Situation würde ich idealerweise gerne vorfinden? Warum diese? Warum keine Alternative? Dieses Ziel klar definieren.
  3. Wie ist dieses Ziel zu erreichen? Vollständige Zusammenstellung aller zur Zielerreichung geeignete oder vermiedene Einflüsse und Faktoren.  (Qualitative Betrachtung).
  4. Klarheit über das Ausmaß der Veränderungen in Abhängigkeit der Wertänderung (Betragsänderung) von Faktoren auf das Gesamtergebnis.  (Quantitative Betrachtung)
  5. Klarheit über die moralischen Implikationen der Änderung von Faktoren. Was bedeuten die Eingriffe für alle Betroffenen?
  6. Klarheit über ökonomische Implikationen bzgl. der Änderung von Faktoren. Gibt es ressourcenschonendere (Zeit, Geld, Personen) Wege das Ziel zu erreichen?
  7. Auswahl und Beginn der Wertänderung der Faktoren unter Berücksichtigung der obigen Punkte.
  8. Analyse der einsetzenden Veränderungen. Bei Veränderungen in die gewünschte Richtung die Betragsänderung der Faktoren fortsetzen oder andernfalls erneut bei Punkt 3 den Prozess erneut beginnen.

 

Dieses 8 Punkte Modell mag Ihnen einfach erscheinen. Dies ist es nicht. Tatsächlich erfordern die Punkte 1.1 bis 1.5 eine Ehrlichkeit, Reflexion, Desidentifikation und Unvoreingenommenheit, wie sie selten zu finden ist. Die Schritte 3 bis 7 sind Prozesse, die oft eine langwierige, umfassende und komplexe Recherche erfordern. Diese Analyse wird ebenfalls oft übersprungen oder abgekürzt. Oftmals sehen wir bei Entscheidungs-, Kommunikations- und Überzeugungsprozessen von Menschen und Menschengruppen stattdessen Folgendes.

 

  1. Eine Person hat eine Meinung. Diese wird von ihrem Inhaber weder hinterfragt noch reflektiert. Der Inhaber ist mit seiner Meinung identifiziert. Er verteidigt diese aggressiv und weicht nicht davon ab. Seiner Meinung entgegenstehenden Argumenten ist er wenig zugänglich. Inhaber anderer Meinungen nimmt diese Person oft als feindlich wahr.
  2. Die Meinungsüberzeugung des Inhabers wird verstärkt, wenn er Mitglied einer Gruppe ist. Wegen der limbischen Gruppen-Identifikation schränkt dies überdies den Meinungsspielraum des Individuums ein und erschwert die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung. Innerhalb der Gruppe wird die eigene Meinung gespiegelt. Daher fühlt sich in seiner Meinung bestärkt. 
  3. Allenfalls ist man bereit, bzgl. der Betragsänderungen von Faktoren mit Menschen anderer Meinung zu verhandeln. Dies geschieht jedoch ungern und aus Taktik oder Machterhalt und selten aus Überzeugung. Diese Art von arithmetischer Mittelungsbereitschaft von Überzeugungen gilt für alle Beteiligten. Jeder hat dabei das Gefühl zu verlieren und Zugeständnisse zu machen. Häufig sind die resultierenden Kompromisse unwirksam und schlechter als die jeweiligen extremeren Ausgangspositionen. 
  4. Zur Untermauerung ihrer Haltungen bedienen sich die Meinungsinhaber Argumente. Diese wirken oft plausibel. Bei genauer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass diese oftmals wenig stichhaltig sind und sich gegen, entgegenstehenden Argumenten nicht durchsetzen können. Oftmals wird die Relevanz eines Arguments (in welchen Fällen, wie häufig ist das Argument wirklich von Bedeutung) gar nicht berücksichtigt. Eine genaue Analyse, eine Abwägung aller Argumente dafür oder dagegen (Gewichtung), wird jedoch von allen Beteiligten vermieden. Sie scheuen die damit verbundene komplexe kognitive Arbeit. Nicht selten auch, weil sie fürchten, dass diese Analyse sie widerlegen könnte.  
  5. An die Stelle der sachlich-inhaltlichen Auseinandersetzung tritt der Gebrauch von Wörtern ohne informativen Zusatznutzen, die aber gleichwohl geeignet sind, das emotionale Gehirn (limbisches System), die Grundhaltung von Menschen zu beeinflussen. So weiß bei den Wörtern “Flüchtlingslawine” und “Kulturbereicherer” jeder, um wen es geht. Aber das Bild, welches man beim Hören, mit Flüchtlingen verbindet, ist einmal negativ und ein anderes Mal positiv. Aufgrund der Funktionsweise des menschlichen Gehirns trägt schon das einmalige Hören dieser Wörter, mit zur Meinungsbildung bei. Dieser Umstand wird sich in großem Umfang von allen Seiten zunutze gemacht.
  6. Eine andere Technik zur Stärkung der eigenen Position ist die Diskreditierung Andersdenkender. Auch hier leider nicht auf der Inhalts-, der argumentativen Ebene. Häufig wird versucht, andere als moralisch unterlegene, als schlechte, bösartige Menschen darzustellen, welche nicht die Interessen einer Gruppe oder der Bevölkerung vertreten. Diese Diskreditierung ist extrem wirksam, da das limbische Bedürfnis nach Wertschätzung groß ist. Wenn man dann mit der diskreditieren Gruppe identifiziert ist, fühlt sich dieser Wertverlust letztlich wie ein Angriff der eigenen Person an. 
  7. Zusätzlich, versucht man sich selbst als moralisch überlegene Person zu inszenieren und dadurch von Anderen abzuheben. Dies beispielsweise in dem man herausstellt, wie man sich für die Interessen Anderer einsetzt. Diese Inszenierung sorgt übrigens bei der Person selbst für stark positive Gefühle. 
  8. Als Letztes muss erwähnt werden, dass durch die moralische Herabwürdigung Anderer, eine Gruppe A in ein Dilemma geraten kann, wenn plötzlich die herabgewürdigte Gruppe B, eine ähnliche oder gar identische Meinung vertritt wie Gruppe A. Nun sieht sich Gruppe A gezwungen möglichst schnell wieder erkennbar einen Unterschied zur diskreditierten Gruppe B herzustellen. Dies bedeutet, dass Personen oder Personengruppen kurioserweise bestimmte Meinungspositionen alleinig aus dem Grund einnehmen können, um sich von Anderen erkennbar abzugrenzen. 

 

Kommt Ihnen dieses Modell bekannt vor? Das sollte es. Es ist ein Modell, welches in der Politik Anwendung findet. Es unterscheidet sich grundlegend vom Vernunftmodell von LIMBICLOGIC®. Auffallend ist das Fehlen der inhaltlichen Auseinandersetzung und der qualitativen und quantitativen Abwägung alle beteiligten Argumente. Die Rechtfertigung von Meinungen scheint Vorrang vor einer sachlichen und unvoreingenommenen Begründung wie bei Wissenschaftlern zu haben. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Rechtfertigung sich emotionaler, psychologischer und manipulativer Mechanismen bedient. Es werden mit Sprache zweckdienliche Emotionen beim Zuhörer erzeugt. Das Problem dabei ist, dass Emotionen so leicht, so schnell sie auch erzeugbar sind, so stark oder so gut sich diese sich anfühlen uns niemals Orientierung bieten können. Emotionen entstammen aus einem 160 Mio. Jahre alten Gehirnteil (limbischen System), dessen Aufgabe es ist unsere Mitgliedschaft in einer Gruppe, unser Überleben und unsere Fortpflanzung sicherzustellen. Mit dieser Funktion kann es uns in der komplexen Welt des 21. Jahrhundert unmöglich leiten. Dies ist eine der Kernaussagen von LIMBICLOGIC®. Im Endeffekt ist es mit obigem Modell unmöglich Vernunft zu erzeugen. Die eigentlich Erkenntnisgewinn erzeugenden Prozesse, wie die Analyse beteiligter Faktoren werden unterlassen, während gleichzeitig primale, tribale Effekte wirken, welche zusätzlich den Blick auf die Realität trüben. Was mit obigem Prozess maximal erreicht werden kann, ist ein Konsens, ein Kompromiss der Beteiligten also ein Ergebnis, dass einem Meinungsdurchschnitt entspricht. Einem Durchschnitt, mit dem alle Beteiligten gleichmäßig unzufrieden sind. Einem Meinungsdurchschnitt von Menschen, deren Einzelmeinung schon nicht auf logikbasiertem Erkenntnisgewinn beruhte. Es sei die Frage erlaubt, wie vernünftig ein derartig erhaltenes Ergebnis denn überhaupt sein kann?

10.  Wichtige kognitive Techniken   Zur Themenübersicht

Hier in Kurzform einige informationsverarbeitende Techniken, die zur Vernunftbildung unerlässlich sind. Leider ist der korrekte Einsatz dieser kognitiven Techniken vom IQ-Wert abhängig und steht daher nicht allen Menschen in gleichem Maße zur Verfügung.

  • Abstraktion  (Das große Ganze erkennen. Zum Verständnis entbehrliche Details vernachlässigen)
  • Deduktive Logik  (Vom Allgemeinen auf den Einzelfall folgern)
  • Kausalität  (Was ist Ursache? Was ist Folge?)
  • Korrelation  (Prüfung auf Zusammenhang und die Art des Zusammenhangs)
  • Induktive Logik  (Vom Einzelfall auf das Allgemeine folgern)
  • Transitivität  (Maß der Übertragbarkeit von Erkenntnissen auf andere, ähnliche Sachverhalte)

11.  Vernunft in Gruppen   Zur Themenübersicht

Fällen mehr Menschen bessere Entscheidungen? Finden wir mehr Vernunft, wenn mehr Menschen an Entscheidungen beteiligt sind? Wenn man ein Blick auf Staatsapparate, Parteien und letztlich ihren Entscheidungen wirft, steht man Versuchung diese Frage mit Nein zu beantworten. Dies scheint umso mehr der Fall zu sein, wenn man den Aufwand berücksichtigt, der erforderlich für die Entscheidung war. Also wenn man einen Anspruch an Effizienz stellt. Aber wie wir schon unter Punkt 9.  Vernunft erzeugendes Denken gesehen haben stellen politische Entscheidungssysteme mit kompetitiver Parteienstruktur einen Sonderfall dar.

Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass sich beratschlagende Gruppen im Durchschnitt bessere Entscheidungen treffen als einzelne Personen. Dies erscheint schlüssig, da ja mehr Personen und diese alle mit ihrem individuellen Wissen beteiligt sind. Eine beratschlagende Gruppe wichtet die im Kollektiv vorhandenen extremen Meinungen weniger stark. Es kommt im Allgemeinen daher zu einem Meinungsdurchschnittskonsens bei dem die extremen Positionen weniger gewichtet werden als moderate Positionen. Bei Gruppenvernunft spielt die Meinungsüberzeugung Einzelner, aufgrund ihrer Wirkung auf andere unsicherere Mitglieder, natürlich auch eine Rolle. Ein bekanntes Beispiel für Gruppenentscheidungen ist das Prinzip der Geschworenen in den U.S.A. wo  sich 12 Menschen auf ein einstimmiges Urteil bezüglich eines Rechtsfalles einigen müssen. Obiges lässt nicht den Schluss zu, dass mit der Anzahl der Beteiligten die Vernunfthöhe automatisch steigt. Man darf auch nicht übersehen, dass Vernunft nichts mit Konsens zu tun hat. Viele Menschen können sich einig sein und sie können alle falsch liegen. Tatsächlich gibt es in Gruppen mit emotionalen Bindungen sogar ein Bedürfnis einer Meinung zu sein. Unsere Schlussfolgerung ist daher, dass nicht die Anzahl von Personen für Vernunft sorgt, sondern vornehmlich die vollständige Kenntnis aller relevanten Fakten, ihrer Zusammenhänge und die logische und vorausschauende Beurteilung dieser. Dies kann durchaus von einem Einzelnen geleistet werden. Es gibt allerdings einen Grund, warum Zusammenarbeit und Austausch die Vernunft erhöhen kann. Jeder Mensch bildet im Laufe seines Lebens durch eigene individuelle Erfahrungen persönliche limbische (emotionale) Lernmuster. Diese sind geeignet die eigene Wahrnehmung zu verzerren und sind daher der Vernunft hinderlich. Bei der Zusammenarbeit von mehreren Personen zwingen Sachverhalte, Logik und Resultate sich auf die Arbeit zu fokussieren während sich individuelle emotionale Lermuster und limbische Verzerrungen eher gegenseitig aufheben bzw. in den Hintergrund treten.

12.  Zusammenfassung   Zur Themenübersicht

Hiermit endet unsere Einführung in die faszinierende und noch recht junge Wissenschaft der Vernunft, der Sapiologie. Wir wollten zeigen, dass Vernunft und intelligente Entscheidungen für viele Menschen prinzipiell erreichbar sind. Gerade in überschaubaren Zusammenhängen mit wenigen, doch klar erkennbaren Faktoren wie z.B. im Privatbereich, sind intelligente und effiziente Verhaltensweisen häufig zu finden. Man muss allerdings dazu sagen, dass diese Bereiche auch die sind, wo bereits viel Erfahrungen, Optimierungen und Verhaltensnormen vorhanden sind. Es wurde aber gleichzeitig deutlich, dass hohe Vernunft in der Realität nicht immer erreicht wird. Bei neuen und komplexen Aufgaben, wo Menschen nicht auf ihren Erfahrungsschatz zurückgreifen können, scheitern sie trotz vorhandenem Logikverständnis häufiger und weitreichender als sie selbst glauben. Wie wir darlegen konnten, sind die Gründe dafür…

  • das Nichterkennen der verborgenen, inherenten Komplexität bei auch scheinbar einfachen Aufgabenstellungen
  • das Nichtkennen aller beteiligten Faktoren und ihrer gegenseitigen Beeinflussung
  • das Nichtkönnen oder Nichtwollen der Berücksichtigung der Einflussnahme (Berechnung) alle beteiligten Faktoren
  • Limbisch-soziale Verzerrungen wie Identifikation, Tribalismus, Gruppenzugehörigkeit etc. die Unvoreingenommenheit und Rationalität sehr früh und sehr wirksam verdrängen.
  • Der damit einhergehende Einfluss auf die Urteilsbildung und Motivbildung des Verstandes.

Kurz gesagt verhindern Komplexität und alte, evolutionär-emotionale Schaltkreise im menschlichen Gehirn, oft zuverlässig die Entstehung von Vernunft. Wir haben für diese Einführung bewusst Details wie die Wirkungsweise von den unter 8. Vernunft schädigende Einflüsse weggelassen. Es hätte den Rahmen für diese Einführung gesprengt. Viele der Ausdrücke dort lassen sich aber unter ihrem Namen googlen. Ferner haben wir nur angeschnitten, wie man im Alltag schnell zu einem möglichst exakten Bild der Realität und möglichst intelligenten Entscheidungen und Handlungen gelangt. Das halten wir für wichtig, denn was ist das Leben anderes als eine Folge unserer Entscheidungen. Auch wie man in Gruppen und Unternehmen die Entscheidungsfindung optimiert, haben wir weggelassen. Diese Inhalte sind alle Teil der LIMBICLOGIC® Trainingseinheiten.

3 Comments

  • Think68 sagt:

    Mangelnde Vernunft in der Politik. Das kann man wohl laut sagen! Die meiste Arbeitszeit geht bei denen doch drauf andere Parteien schlechtzureden statt nach Lösungen zu suchen. Geiler Beitrag! Werde ich weiter empfehlen!

  • clayton77 sagt:

    Ich kannte ehrlich gesagt die Wissenschaft Sapiologie vorher noch nicht. Aber sie ist notwendiger denn je. Ich habe manchmal das Gefühl keiner weiß mehr wo es lang geht und jede beliebige Meinung ist ok. Vor allem im Internet. Aber natürlich gibt es doch so etwas wie Logik und Vernunft. Sapiologie ist eine wichtige Orientierung in unserer heutigen Zeit. Wenn ich darüber nachdenke habe ich so Vieles aus emotionalen Gründen am Ende unsinnig und falsch entschieden. Ich werde versuchen, da zukünftig bewusster zu handeln.

  • Linnie sagt:

    Super interessanter Beitrag. Der Teil über Vernunft oder noch besser fehlender Vernunft in der Politik ist so wahr! Treffender hat das wohl noch keiner beschrieben. Freue mich auf weitere Veröffentlichungen von Ihnen Herr Anderson!

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